2011

 

 

2011

ella de groot und klaas hendrikse

der atem der welt

die versammlung auf dem nullpunkt

 

 

2011

 

gibt es ein leben nach dem tod? "wir können es nicht wissen." so die antwort von michael von brück. "man muss differenzieren", möchte ich ihn aus einem anderen zusammenhang zitieren: die reine vernunft kann tatsächlich nicht wissen, ob es ein leben nach dem tod gibt. was gänzlich fehlt - und das ist symptomatisch für die mediale vermittlung von religion - ist der bergriff der offenbarung. es geht nicht darum, jemandem vorzuschreiben, was er oder sie glauben soll. es geht um die vollständigkeit. die reine vernunft hat ihren erkenntnisbereich und die durch offenbarung begründete vernunft hat ihren erkenntnisbereich. der befragte wird vom fragenden nicht danach gefragt. die theologische wahrheit offenbart sich selbst und vermittelt, ähnlich wie die vernunft, wissen - ein anderes wissen, nicht dass zwei und zwei vier sind wie die vernunft, sondern dass es ein leben nach dem tod gibt. die sagbarkeit beruht auf der ähnlichkeit zwischen dem zukünftigen und dem gegenwärtigen. eine pfarrerin vertrat die meinung, es sei plausibel zu sagen: wir wissen es nicht, "ich habe nie darüberhinaus geschaut". wir müssen nicht "darüberhinaus schauen" - dieses leben anschauen: dann wissen wir, wie es sein wird.

 

evolution als person. die tradition des protests (protestantische theologie) als ort der coincidentia oppositorum (zusammenfallen der gegensätze). im darwin-jahr hat sich auch ein tier zu wort gemeldet, eine maus. sie hat meiner ansicht nach das rätsel gelöst. ihr feines piepsen wurde aber von den menschen nicht gehört. darum können sie weiterrätseln. sie schreibt: panta en pasin (1.kor.15,28): gott, wahrheit, liebe - die alles verändernde vereinigung von allem mit allem. e v o l u t i o n und zugleich p e r s o n . soweit alles in allem ist, bist du person, der alles verändernden vereinigung von allem mit allem ä h n l i c h . oder anders herum: die evolution ist personähnlich. es verwundert mich nicht, dass sie reden kann und sagt: ich bin eine schöpferin. wie jede person wird sie nur erkennbar, wenn sie sich offenbart. evolutionstheorie und schöpfungslehre: eine frage von vernunft und offenbarung. die welt als evolution ist durch die reine vernunft erkennbar, die welt als schöpfung durch die durch offenbarung begründete vernunft oder, in computersprache gesagt, durch die offenbarungsgestützte vernunft. - sie schlägt auch gleich eine einigung mit den kreationisten vor, die sie aufgrund zweier begriffe aus der philosophie immanuel kants für möglich hält: die theoretische vernunft kann die welt als schöpfung nicht beweisen, aber die praktische vernunft "postuliert" sie als solche. und sie schliesst: der einfall von gott - und der zufall nicht?

 

"ist religion für Sie vorallem ethik?" - die frage ist berechtigt. es ist eine bestimmte emotion, ein andauerndes insistieren, was mir probleme bereitet. ein psychoanalytiker, der mir zum über-ich wird, nach einem sympathisch ruhigen anfang fast durchwegs in einem ausnahmezustand. drewermann weicht der frage aus, thematisiert die "bürgerliche ethik". unter strafe versteht die theologie die konsequenz der verdrängung der wahrheit. damals beim tsunami habe ich gedacht: ja, einerseits ist es eine naturkatastrophe, andererseits: wenn man dort baut, wo ein tsunami kommen kann. . . das wort von der strafe erlöst von bestimmten formen des handelns zu andern formen des handelns. so wie gotteserfahrung in natur und geschichte nur aposteriorisch, aufgrund von offenbarung, möglich ist - und zwar durchaus auch als positive verwunderung - , ist auch das wort von zorn, strafe und gericht nur aufgrund von offenbarung verstehbar - nicht einfach irgendwie, sadistisch, moralistisch, gruppennarzisstisch. . . ein zen-meister eines früheren jahrhunderts sagt: "die meschen handeln so untugendhaft, weil sie nicht bedenken, dass das in die hölle führen kann." wenn man das jetzt nicht kleinlich versteht, wird man es - im kontext der gesamten theologischen wahrheit - als einen aspekt von nicht geringer relevanz anerkennen. drewermann sieht in der menschheit eine durch den tod bedrohte solidargemeinschaft. grundlegender ist die solidarität aufgrund der verheissung der vollkommenen vereinigung und freundschaft von allen mit allen in der zukünftigen vollkommenheit.

 

respekt vor einem menschen, der schweres erfahren hat, kritik gegenüber dem bestseller autor

 

unter dem gesichtspunkt der erbsünde (was wir genetisch, psychologisch, soziologisch etc. geerbt haben) gibt es nur kausalität. unsere kultur der strafe ist ja auch falsch. wünschenswert wäre eine kultur der vergebung. so wie wir aber die gewalt nicht einfach aus der welt schaffen können, können wir auch die strafe nicht einfach aus der welt schaffen. unter dem gesichtspunkt der persönlichen sünde gibt es - recht verstanden - keine kausalität. ich bin dann gewissermassen der repräsentant einer dynastie: wenn ich die vase, die Sie getöpfert haben, zerdeppere, werde ich Ihnen gegenüber schuldig. human mit dieser situation fertig werden können wir, wenn wir zur freiheit befreit sind. eltern können soweit mit ihren kindern auskommen, als sie sich bewusst sind, dass sie ganz wesentliche ursachen sind von allem, was im leben ihrer kinder geschieht. soweit sie ihnen vorwerfen, was sie ihnen vererbt haben, beeinträchtigen sie die beziehung zu ihnen. kinder werden bedenken, dass auch eltern eltern haben. strafe dient der erlösung - was die art der strafe mitbestimmt, die verhältnismässigkeit etc. - der verstand kann mit dem universum nicht fertig werden: weder kann er sich vorstellen, dass irgendwo eine grenze ist, noch dass es immer weiter geht. der verstand, der das verstanden hat, appriziert sich nicht darauf, dass alles kausal sei, dass der subatomare bereich nicht kausal sei etc. interessant ist, dass mystische religionen die durchgehende kausalität vertreten. dieser determinismus ist aber leer: wenn der eine sagt, ich bin dazu determiniert, die andern mit vielschreiberei zu ärgern, wird der andere sagen: ich bin jetzt eine neue determinante, die dir eine alternative aufzeigt.

 

buddha starb während des lebens, und kam zur erleuchtung. der durch den tod von christus verursachte tod während des lebens ist die erlösung zum leben trotz der unbeantwortbarkeit der frage nach der herkunft des bösen.

 

dialog mit der neurologie - das wort ist fleisch geworden, geschichtlich, materiell. . . und hat ein biochemisches korrelat

 

das biochemische verursacht etwas, ist aber selbst auch verursacht. das einzige, das nicht durch etwas anderes verursacht, sich selbst ursache ist, ist das ganze. woher kommt etwas? aus dem gehirn. ein aspekt. aus dem gesamten.

 

die eltern erlauben den einsatz der tochter oder des sohnes im katastrophengebiet. sie haben etwas zu sagen, weil sie die ausbildung finanzieren. die tochter oder der sohn kommt ums leben. - soweit glaube ich das wort opfer in der geschichte von christus zu verstehen. aber die frage nach der herkunft des bösen können wir nicht vollständig beantworten. darum verstehen wir auch das wort opfer nicht ganz.

 

"zur sünde gemacht" (1kor 5.21): das bio-chemische konglomerat sünde wird in mir wachgerufen, ohne dass es schaden anrichtet. die erinnerung daran, dass es dem ewigen wort, als es fleisch wurde, auch so ergangen ist.

 

symbole im öffentlichen raum - das kreuz ist ein fruchtbarkeitssymbol, ein mehrfachsexualsymbol. die, welche dafür sind, müssten dagegen sein, und die, welche dagegen sind, dafür. probleme habe ich mit dem traditionellen kruzifix. historisch nicht haltbar. die durch das römische reich exekutierten wurden nicht so gekreuzigt.

 

nach dem tod? kurt marti hat seine infragestellung des ewigen lebens in den perspektiven von drs 2 präzisiert: keine individuelle existenz. ist das die vollständige verwandlung von tod in leben? ist gott auch in dieser hinsicht der allein ewige? ist jesus als einziger auferstanden? ist die geselligkeit der gottheit in frage gestellt? oder ist in seinem zweitneusten werk "DU" - "in dessen treue wir geborgen bleiben für immer" - nicht doch von einer ewigen personalen existenz die rede? wahrheit ist leben - "kurt marti mein le corbusier" (nn) - , aber auch logik, systematik, kontinuität.

 

"er ist auch mutter" - kann man das sagen? sollte die antwort auch nein sein: kurt marti hat in diesem interview genug zu recht gesagt. gratulation zum hohen geburtstag! der gefeierte wird es nicht sehen. wenn sich nicht vor kurzem etwas geändert hat: er hat keinen internetanschluss. und sagt es auf die ihm eigene art: "mein geist surft anders. . ."

 

die protestantische theologie des 20. jahrhunderts hat gerade in der auseinendersetzung mit der grausamkeit der konzentrationslager gesagt: theologie muss theologie des gekreuzigten sein. warum wird das mit keinem wort erwähnt? warum wird nur gerade auf die theologie angespielt, die sagt "gott ist tot"? warum wird nicht erwähnt: ja, mit christus gestorben? warum wird nicht versucht, die frage "wo in auschwitz?" von der geschichte von christus her zu beantworten? dies müsste ja nicht auf eine gegenüber dem judentum respektlose art geschehen. die kirchenzeitung "reformiert." schreibt: "nn1 stellt die richtigen fragen." das bestreite ich! "reformiert." berichtet auch, nn2 habe "als einer der ersten im deutschsprachigen raum damit begonnen, religion als journalistisches thema zu sehen: nicht priester oder pfarrer sollten darüber berichten, sondern journalisten" wie über politik und kultur. die alternative wird gar nicht gesehen: theologische kompetenz - wer immer es dann sei. gewissheit kommt in der sendung nur pejorativ vor. als grundprinzip erscheint zuletzt der zweifel. und dass die theologie sich gerade angesichts des schreckens der judenvernichtung geweigert hat, die frage nach dem ursprung des bösen zu beantworten - auch davon nichts. es geht nicht darum, jemandem vorzuschreiben, was er oder sie glauben soll. aber es geht darum, das gesamte zu sehen und die fragestellung nicht auf einzelnes (billiger trost, nicht-wissen, falsche gewissheit, ruf zum handeln, zweifel) einzuengen. das wahrheitsmoment wurde zur halbwahrheit.

 

die ähnlichkeit zwischen gegenwärtiger welt und zukünftiger vollkommenheit ist in der theologie gut vertreten - auch wenn in den meist von der mystik geprägten erscheinungsformen von religion unserer zeit sehr oft vom unsagbaren, nicht mitteilbaren, unbegreiflichen und unvergleichlichen die rede ist. die verwandlung von tod in leben gehört nicht zum erkenntnisbereich und tätigkeitsbereich der vernunft. die unterscheidung von vernunft und offenbarung ist ein grosses thema der geistesgeschichte. wenn ich das sage, heisst das nicht, dass ich mich dem dialog verschliessen will. berichte von nahtoderfahrungen schätze ich, weil sie eine alternative zum nur negativen des todes darstellen. wenn wir aber fragen "was nach dem tod?", befragen wir am besten die erfahrung der erleuchtung, das dem sterben am ende des gegenwärtigen lebens ähnliche sterben während des lebens.

 

die seele stirbt mit dem leib und wird mit ihm auferweckt

 

zu einer sendung für erwachsene menschen gehört es, verschiedene anschauungen darzulegen, respektive sie im kommentar noch anzufügen...

 

murten classics - serenadenkonzert, mozart. den tanzboden eröffne ich etwa 150 meter vom konzert entfernt an der für diesen anlass für den motorisierten verkehr gesperrten strasse am see. "unsere elektronische welt" (kurt marti) und die synthetik des öffentlichen verkehrs fallen allmählich von mir ab. nach der pause ist es dunkel, zweitweise fast still, jede bewegung hebt sich deutlich von der angenehm geisterhaften umgebung ab, all die komplexen rhythmusgebilde und emotionen fehlerfrei ohne je rauszufallen. ausnehmend warme nacht. das nennt man wohlbefinden. doch wenn ich auf den see hinausschaue: der schwerpunkt, der kraftort sozusagen, liegt diagonal am anderen ufer, dort, wo ich nach der schule mit zug und fahrrad jeweils sogleich hingefahren bin. dort gehe ich gewissermassen im schilf unter. meinen jetzigen wohnort liebe ich, weil er mich an meine zweite heimat am anderen ufer erinnert. später breche ich auf. eine gewisse lust, neue heimaten zu erkunden. "meine heimat ist im himmel", sagt eine frau im dossier. die erde kommt auch in den himmel. unsere heimat treffen wir in unserer ewigen heimat wieder an. - "warum wollte ich in meiner jugend auf diesem see segeln?" frage ich mich am ufer entlang gehend. ein über das wasser fahrendes boot, der in die wellen eintauchende rumpf - ein sexualsymbol. oder erweitert gedacht: ein symbol für zweisamkeit. - plötzlich ein etwas grösseres holzboot, nur unter vorsegel. "wunderbar, wie Sie hier einfahren!" will ich zum skipper sagen. das blaue segel steht anmutig im wind und lotst das boot in den hafen zurück. ich sage nichts.

 

allmacht allein wäre tatsächlich unfassbar. auch ihre ebenbilder wären unfassbar, unberechenbar. in der befürchtung, ich könnte dazu anstiften, wage ich gar nicht zu beschreiben, was da geschehen könnte. das zusammenleben wäre unmöglich. es bliebe nichts als angst. liebe andererseits ist treue, auch wenn jemand eine fehlentscheidung treffen sollte, und sie hat noch ein paar andere gute eigenschaften. die alternative zum vorurteil ist nicht überhaupt kein urteil. als eva adam zugesellt wurde, rief er aus: die ist so und so! und als sie aus dem paradies vertrieben waren, erkannten sie einander. und ihr erkennen wurde zum urbeispiel auch für theologische erkenntnis.

 

die trinitätslehre spricht von der vollkommenen empathie des vaters mit dem sohn. daraus schliesse ich, dass gott, was ein mensch im brennenden und in sich zusammenkrachenden world trade center erleidet, auch erleidet. allmacht ist die macht, ohnmacht auszuhalten.

 

die apokalypse des älterwerdens, die akkumulation der beschwerden, der tod als gnade, das sterben während des lebens als leben, als lebenkönnen ohne antwort auf die fragen woher? warum? wozu? ganz gestorben - vollkommen erleuchtet, nicht nur freunde und freunde von freunden, alle. das ja wird durch das endgericht, die erfahrung dessen, was man für andere und gegen andere getan hat, nicht unterbrochen. erst durch ihre integration in die eschatologie werden die apokalyptischen aussagen wahr. integration heisst immer auch transformation.

 

eschatologie ist die lehre von der zukünftigen vollkommenheit und ihrer auswirkungen auf die gegenwart

 

weder im licht der vernunft noch im licht der offenbarung gibt es eine antwort auf die frage "warum?". die reine vernunft fordert zurecht weder unfreiheit noch unzumutbares leiden. die durch offenbarung begründete vernunft geht von dem aus, was sich ihr offenbart – nicht zuletzt davon, dass die heute unmögliche antwort erst in der lichtherrlichkeit der zukünftigen vollkommenheit möglich sein wird. sie kann die theodizee-frage nicht beantworten. sie kann gott nicht rechtfertigen. natürlich, man kann ursachen zurückverfolgen bis zum urknall oder bis wohin immer, aber das beantwortet die frage, warum es denn so ist, nicht.

 

das kreuz ist ein zeichen der anteilnahme am leiden. das ewige wort wird fleisch und stirbt den tod eines zu unrecht zum tod verurteilten. trotz folter und extremer demütigung kein aufruf zur rache, kein aufruf zur gewalt. "wo ist gott bei katastrophen?" im abgrund der katastrophe. mit christus gestorben: leben können ohne antwort auf die frage nach der herkunft des bösen: woher? und warum? wozu? der verstand ist nicht "der feind des glaubens". offenbarung ist schöpfung: der verstand wird so instand gestellt, dass er versteht. das kreuz spricht auch von der verwandlung von tod in leben. die angehörigen haben die verstorbenen nicht für immer verloren. und "die dämonen von 9/11" werden die, die erste hilfe geleistet haben, nicht "nie verlassen".

 

kirche und theologie. wäre ich präsident des sek, hätte ich mein konzept gleich zur diskussion gestellt: gott - liebe. tradition: die vereinigung von vater und sohn, von der - wie von allem - ein geist ausgeht. entpatriarchalisiert und religionsoekumenisch entreduziert: die alles verändernde vereinigung von allem mit allem (1kor15.28). uns ähnlich (gen 1.26, ausnahmsweise andersherum) und darum - wenn er, wenn sie sich offenbart - sagbar. keine exklusivität: das ja, und nur das ja, zu allen. ein differenziertes ja respektive ein differenziertes nein zu dem, was wir tun. die welt mit buddha, christus . . . gestorben. und darum - lebendig - zur gerechtigkeit befähigt. - "kirche macht glücklich" - eine art slogan. das könnte ich nicht. darum ist es wohl besser, dass nicht ich, sondern gottfried locher präsident des sek ist. . .

 

ich finde, wenn es gelänge, alles, was die geschichte des menschlichen und des göttlichen geistes hergibt, fruchtbar zu machen, bräuchten wir keine künstliche befruchtung

 

es ist erfreulich, dass der begriff dogma - lange fast ausschliesslich ein negativbegriff - heute auch positiv gesehen wird. mit seiner darlegung, dass ein dogma auch eine seelische erfahrung sein kann, leistet c.g. jung einen wesentlichen beitrag. karl barth hat hinsichtlich der erfahrung die bekannte relation von suchen und finden umgekehrt: wenn du sie nicht suchst, findest du sie.

 

jean gebser spricht von einem arationalen bewusstsein, das eine freie beziehung zu rationalen inhalten ermöglicht. dieses arationale wahrnehmen ist unter verschiedenen begriffen, am meisten als mystische erfahrung, heute zu recht stark verbreitet. das problem besteht darin, dass nicht gesehen wird, dass zwischen den verschiedenen bewusstseinsformen eine analogie besteht. so kann zum beispiel ein rationaler inhalt auch magisch zum ausdruck kommen, etwa als non-verbale kommunikation. und so kann eben auch das arational wahrnehmbare rational exakt definiert werden: so ist es, und so nicht. es empfiehlt sich, das rationale bewusstsein nicht zu überlasten. wenn aber die genannte möglichkeit nicht grundsätzlich anerkannt wird, stimmt etwas nicht.

 

 

 

ella de groot und klaas hendrikse

 

 

gott existiert nicht. er ist ein ereignis. (klaas hendrikse) 

 

was sich ereignet 

existiert

 

was nicht aufhört 

sich zu ereignen

auch

 

die verwandlung von tod in leben

die aufhebung des dualismus 

von sich ereignen und existieren

 

es kommt oft vor

dass gesagt wird

nicht person

und dann doch person

 

zb gilt der buddhismus als eine auf ein nicht-personales bezogene religion. der zen-meister, dem in den 80er-jahren die tiefste einsicht zuerkannt wurde, sagte aber: erleuchtung - das, was wir gnade nennen. so hat auch die kraft, von der ella de groot sagt, sie könne die welt retten, damit eine personale eigenschaft.

 

dass man mit dem wort gott probleme haben kann, lieg auf der hand. schon das alte testament warnt vor missbrauch.

 

mystik als gemeinsamer bezugspunkt: mit der zweiheit überhaupt erübrigt sich auch die zweiheit von gott und schöpfung. sie sagt aber nicht, dass gott nicht existiert. 

 

offenbarung - ein ereignis, von dem man vielleicht sagen kann, dass es nicht permanent existiert

 

durch das wort - nicht notwendigerweise ein bild

 

fragestellungen, die zum bild und besonders solche, die zur vorstellung zwingen, sind für die seele nicht gesund - offenbarung ist eine ganzkörpererfahrung - nicht nur vorne - die akzentuierung nach vorne ist problematisch - bild hat die tendenz zum visionär-utopischen - die mystische tradition spricht von der "entbilderung"

 

ein wort kann in uns wirksam sein, ohne ein bild oder eine vorstellung zu erzeugen

 

"keine hände ausser die unseren" hat etwas zu sagen, kann aber unmenschlich sein: dort wo die menschlichen hände nicht hinkommen

 

der liebenswerte verdacht, dass die mystik sich mit patriarchalischen kategorien nicht zufrieden geben wollte 

 

und 2011 die meinung, dass klaas hendrikse gegen eine frömmigkeit protestiert, gegen die ich auch protestieren würde

 

"es gibt kein wissen und keine wahrheit", sagt(e?) ella de groot. "wissen Sie das?" könnten wir sie fragen und: "ist das wahr?"

 

"die gottesbilder stammen aus unserem kopf?" (ella de groot)

 

zen fragt: woher stammt unser kopf?

 

alles aus allem

 

alles als ein erstes, ein zweites. . . oder als die alles verändernde vereinigung von allem mit allem

 

und das böse? 

 

aus dem ersten

 

auch aus dem zweiten?

 

"die akzente sind verschoben: von antworten auf fragen" (klaas hendrikse, seite 189)

 

warum dann so viele dezidierte antworten?

 

"die antworten sind verschwunden" (seite 185)

 

"gott ist immer anders, als wir denken" (seite 189)

 

die zeitgenössische spiritualität ist undogmatisch. sie appriziert sich nicht auf existieren oder nicht existieren, auf person oder nicht person - sie geht mal zb in eine kirche hinein und schaut dann, was sie dort erfährt.

 

zen

 

nicht gott oder nicht gott

 

nicht bild oder nicht bild

 

einerseits empfinde ich diese behauptung der nicht-existenz - die mir, wie die unmöglichkeit der wahrheit, fast ein bisschen als dogma erscheint - als störend

 

andererseits: wenn etwas bedroht ist oder plötzlich nicht mehr da ist, beginnen sich alle dafür zu interessieren, während sich vorher kein knochen darum geschert hat

 

"sensation und person", womöglich skandal, ist das prinzip der medien - und möglicherweise das prinzip eines existierenden, das sich durch die proklamation seiner nicht-existenz interessant macht

 

macht sich rar - ein hinweis darauf, dass es eine frau sein könnte, die uns durch ihr verhalten auf eine erwachsene beziehung zu ihr bringen will

 

in einer bz-diskussion geschrieben, man könnte auch fragen, ob überhaupt etwas existiert - das wurde von der redaktion nicht publiziert - was mir ein lachen bereitete

 

 

der atem der welt

 

der büchergutschein als lohn für die teilnahme an einer umfrage ist gerade gut für das buch von ella de groot und der schein des vollmonds, assistiert durch eine strassenlampe, auch

 

wenn das unfassbare sich fassbar macht, wird es fassbar 

 

objekt, und zugleich ursprung, subjekt des objektseins 

 

nicht vom himmel herab regierend, sondern bis in die unterwelt hinabgestiegen, um alles mit seiner, mit ihrer gegenwart zu erfüllen

 

wenn wir tierfreundlich von den tieren absehen: wo ein atem ist, ein ruf oder eine stimme, ist auch eine person - das muss man nicht immer sagen - aber ich finde, man sollte es nicht bestreiten

 

auch die traditionelle theologie spricht pneumatologisch von inhabitation - und christologisch von inkarnation

 

ja, wir kennen das fleisch gewordene wort nicht mehr dem fleische nach

 

er selbst ist auferweckt worden, hat - berndeutsch gesagt - auch etwas davon

 

durch die stimme offenbart sich die person, dass sie ist, wie sie ist, durch das für uns das an sich

 

auch durch den atem

 

strafe - die konsequenz der verdrängung der wahrheit - metaphorisch als strafende person - eingreifend oder die welt sich selbst überlassend

 

entscheidend ist, was vor unserer entscheidung geschieht - den unterschied zwischen bewusster und bedingter entscheidung gibt es und gibt es nicht - apriorische freiheit gibt es nicht

 

erlösung von sünde und schuld, leere, offenheit, befreiung, gerechtigkeit, wahrheit, leben durch den durch den tod von christus verursachte tod während des lebens

 

analogien in andern religionen 

 

nicht in allen 

 

vielleicht ist es vorsehung, dies nicht zu sehen, anders zu sehen

 

die wahrheit, die alles verändernde vereinigung von allem mit allem, reformiert sich andauernd selbst

 

die glaubensreform ist mir in vieler hinsicht sympathischer als manch andere erscheinungsform des glaubens - zufrieden wäre ich aber erst mit dem zusammenwachsen des gebrochenen, der beide verändernden vereinigung von beiden

 

der sieg über den tod, der tod des todes, seine verwandlung in leben ist die elementarste offenbarungswahrheit, die aufhebung jeder trennung, die heilung jeder krankheit, das ende der lehre von erwählten und verworfenen ... ...

 

die cd höre ich nicht - soweit ist der sieg nicht fortgeschritten, dass er den tod, den die für jede cd symptomatische harte akustik in mir schaffen würde, in leben verwandeln könnte

 

die wahrheit lässt sich nur paradox zum ausdruck bringen

 

schöne worte sind nicht wahr

 

(lao-tse)

 

macht

allmacht

als ohnmacht

 

die kraft, die in den schwachen mächtig ist (paulus)

 

nach barth:

 

der atem der welt ist erstickt

gerade dadurch und nur dadurch

ist er der atem der welt

 

nach rilke:

 

der atem der welt

ist der atem der welt

weil in ihm das ersticken

überwunden

entfällt

 

 

 

die versammlung auf dem nullpunkt

 

schon die alten griechen sagten, wenn die tiere götter hätten, würden diese aussehen wie tiere. ludwig feuerbach brachte die sache auf den punkt: der mensch schuf gott nach seinem bilde. seine religionskritik erlangte durch karl marx und siegmund freud einen hohen bekanntheitsgrad. erich fromm vertrat die überzeugung, es gehöre zum erwachsenen menschsein, die projektionen zurückzunehmen, selbst zu sein, was man von sich wegprojiziert hat. seine spätere position verdankte er der mystik, die sagt: es gibt nur eines. mit der zweiheit überhaupt erübrigt sich auch die zweiheit von gott und schöpfung. dieses eine ist schon deshalb nicht sagbar, weil ein erstes ein zweites sagen würde oder ein zweites ein erstes. die grosse bewegung mystik und spiritualität, von der auch die medien durch und durch geprägt sind, vertritt diese unsagbarkeit immer und immer wieder als alternative zu dogmatismus und fundamentalismus. was dabei fast vollständig unter den tisch fällt, ist die offenbarungstheologie. gegen den zoologischen oder anthropologischen gesichtspunkt, dass das tier oder der mensch gott nach seinem bilde schafft, hat sie gar nichts einzuwenden. das transzendente, sagt sie, arbeitet auch so, indem es immanentes auf sich selbst projiziert. es stellt sich die frage: wie sonst sollte es sich verständlich machen?

 

"der tod ist stärker als das leben", schrieb der chefredaktor einer renommierten tageszeitung, die jeden tag zu meiner lektüre gehört, am ostersamstag dieses jahres. das ist originell. ist es aber auch professionell? diese perspektive ist ja unbestritten. einer als intellektuell bekannten zeitung würde es aber anstehen, auch die andere perspektive darzulegen: dass es sich bei der umkehrung, dass das leben stärker ist als der tod, um eine offenbarungswahrheit handelt. eine pluralistische gesellschaft - und die pluralistische kirche tendiert auch dazu - zwingt niemanden zu glauben, dass so etwas wie offenbarung überhaupt möglich ist. aber es gehört - um es mit einem wort von kurt marti zu sagen - zur "theologischen aufklärung", über die geschichte des verhältnisses von vernunft und offenbarung zu informieren. die verwandlung von tod in leben gehört nicht zum erkenntnisbereich und tätigkeitsbereich der vernunft.

 

"wenn jemand sagt: 'ich weiss, dass gott existiert', ist er ein dummkopf", sagt ein atheist, ein bestsellerautor aus frankreich in der kirchenzeitung "reformiert.". hiob singt: "ich weiss, dass mein erlöser lebt!" ist er deshalb ein dummkopf? ich würde nicht wissen und glauben unterscheiden, sondern vernunft und offenbarung. die vernunft bringt nämlich auch vertrauen. der ingenieur sagt mir: "obschon die brücke erst im bau ist, können Sie ruhig darübergehen. die tragenden elemente sind bereits völlig zuverlässig. auch grosse lastwagen fahren hinüber." und ich gehe vergnügt über die brücke. andererseits bringt offenbarung auch wissen. "wir können wohl nie wissen, ob es einen gott gibt", sagte nn in einer umfrag. "das finde ich nicht so geschickt", schrieb ich ihr ungefähr.

 

der atheistische pfarrer klaas hendrikse glaubt an an einen gott, an den er nicht glaubt. und eine mir unbekannte person - ich nehme an ein mann - sagt: "ich glaube nicht an gott, aber ich vermisse ihn." eine narzisstische paradoxie? wir haben kein geld, sind gleichzeitig energiepolitisch völlig ins schwimmen geraten und sollten uns - mit dem titel der neusten cd von kutti mc gesagt - von unserer destruktiven energiepolitik "freischwimmen". vernunft und offenbarung zusammen enthalten das potential für eine wesentlich bessere welt. wie würde eine welt aussehen, in der vor rund 2000 jahren eine "kritische masse" ihrer bewohner "mit buddha und mit christus gestorben" wären? damals und noch lange danach wäre die alternative zur bevölkerungsexplosion, zur fossilen energie und zur kernspaltung noch möglich gewesen. und jetzt, wo wir wüssten, was notwendig wäre, wissen wir nichts gescheiteres, als eigenartige dinge zu sagen. . .

 

oder verfahre ich mich? ist dem zitierten ganz einfach die traditionelle formulierung "ich glaube" zuwider? sage ich "ich glaube", bin ich rational beansprucht. sage ich "ich vermisse", begründet das ein emotionales verhältnis. dass ein bekenntnis mit "ich" anfängt, hat einerseits einen vorteil: ich sage damit "du siehst es vielleicht anders". aber der nachteil ist, dass dieses "ich" thematisiert wird oder jedenfalls vorkommt, und das gleich am anfang, während laut der überlieferung am oder "im anfang" ja nicht ich bin - was eine entlastung ist. und zu einem menschen muss ich ja auch nicht unbedingt sagen "ich glaube an dich", wenn ich mit ihm einen tee trinken will. es könnte durch ein solches bekenntnis eine entfremdung entstehen. zwar würden wir zusammen tee trinken - einander aber zugleich vermissen.

 

die kirchenzeitung "reformiert." ist seit langem interessiert an einer kirche für kirchenferne. so will sie "das evangelium buchstabieren", wie einer ihrer redaktoren sich ausdrückt. mit meiner vorhin ausgesprochenen verwunderung will ich dagegen gar nichts sagen. was mich affiziert ist die beinaheausschliesslichkeit. die medien bedenken nicht, was das bedeutet, wenn, wie eingangs dargestellt, gesagt wird "unsagbar". die letztbegründung der menschenrechte steht auf dem spiel. natürlich, man kann sagen: gerechtigkeit bewährt sich, nicht zuletzt als gewaltprävention. aber wer sagt, dass friede sein soll und nicht krieg, dass die welt bewahrt werden soll und nicht zerstört? wenn wir sagen wollen warum, kommen wir um eine letztbegründung nicht herum.

 

offenbarung bringt wissen. woher das böse kommt und warum, wissen wir nicht. soweit wir gestorben sind während des lebens, können wir damit gut leben. wir können ursachen des bösen aufzeigen zurück bis zum urknall oder bis wohin immer. aber warum das so ist, warum die ursachen des bösen und damit das böse selbst sind, das können wir nicht sagen. namhafte vertreter der theologie des 20. jahrhunderts haben angesichts des schreckens der judenvernichtung vor der frage nach dem ursprung des bösen kapituliert. was wir aber wissen, ist, dass die ursache des irdischen zur irdischen existenz geworden ist - und damit zur nicht-existenz, die den glauben an ihre existenz ermöglicht.

 

das ist

was er

vermisst

 

damit sage ich nicht

ich weiss, wes dir gebricht

solches wissen ist ja meistens

etwas schlicht

damit nähme ich den mund zu voll

ich frage danach, wie der begonnene diskurs

weitergehen soll

 

länger werde ich nicht. am essay-abend werde ich nicht teilnehmen. damit sinken meine chancen ungefähr auf null. auf diesem nullpunkt berühren sich mystik, die sagt, dass gott zu einem lauteren nichts wird, atheismus, der sagt "gott ist tot" und theologie, die sagt, dass gott mit christus gestorben ist. 

 

sollte ich vermisst werden, wäre das dann meine gottebenbildlichkeit. sollte ich nicht vermisst werden: auch. im sinne eines vollständigeren atheismus.

 

diesen essay oder diesen ansatz zu einem essay habe ich "geschrieben", während ich zur geisterstunde z'tanz war. "das machst du gut!" wurde mir zugerufen und auch begeistert zugewinkt. wenn die wüssten, was ich "geschrieben" habe. . .